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Das Projekt Die Praxis der/des Echo. Vom Widerhall in den Künsten, dem Theater und der Geschichte schlägt die Brücke zwischen kulturwissenschaftlicher Forschung und künstlerischer Praxis.

Angesiedelt am Leipziger Institut für Theaterwissenschaft, bringt der hiesige wissenschaftliche Nachwuchs unter der Leitung von Dr. Veronika Darian, Dr. Micha Braun und Jeanne Bindernagel Geschichts-, Theater- und Literaturwissenschaftler aus dem In- und Ausland mit Praktikern der Performance arts und bildenden Künste sowie Studierenden der Universität zusammen. Anhand der mythischen Figur der Echo wird unter Einbezug verschiedener Expertisen und Erfahrungshorizonte über eine eigene künstlerische und kulturelle Qualität von Phänomenen des Widerhalls, des Wiederholens oder auch des Erinnerns diskutiert. Resonanzen und Synergieeffekte zwischen verschiedenen theoretischen und praktischen Wissenshorizonten und Methoden der vertretenen Disziplinen werden hierbei aufgezeigt.

Die Nymphe Echo ist im antiken Mythos eine begabte Erzählerin, der wie so vielen ein grausames Los widerfährt: Ihr wird die eigene Begabung zum Verhängnis und – in der mythischen Logik – zum ewig dauernden Schicksal. Weil sie Juno/Hera durch ihren Wortschwall von den Amouren ihres Gatten Jupiter/Zeus ablenkte, wird sie mit dem Entzug der eigenen Rede bestraft: Nur mehr fähig, die letzten Worte ihres Gegenübers zu wiederholen, ist sie verdammt zum ohnmächtigen Widerhall fremden Ausdrucks. So wird die Nymphe Echo zum Sinnbild eines vom Anderen abhängigen Wesens. Es fehlt ihr das vermeintlich Originäre. Doch birgt der Widerhall in sich mehr als die reine Wiederholung des Vorgängigen, mit Derrida gesprochen verweist er auf das Moment der Verschiebung und Zergliederung eigentlichen Ausdrucks, des Widerstands innerhalb der Iteration. In der zunehmend körperlosen Stimme der Echo, die durch die verschmähte Liebe des Narziss in die Versteinerung getrieben wird, scheint all das auf, was das Wiederholte als Wiedergeholtes nicht mehr zu verdecken vermag: das Entgleiten des Sinns, die Position der Sprechenden, die Medialität der Kommunikation, die Rauheit der Stimme, die Ambivalenzen der Aneignung, die Grenzen der Mitteilbarkeit und das Risiko der Endlichkeit. Echo lässt sich entsprechend nicht allein als unwillentliche und unmittelbare Reaktion verstehen, sondern drängt sich durch die darin wirkenden Praktiken der Wi(e)der-Holung ebenso als eigene Praxis spürbar auf – als Widerstand, Verweigerung, sogar Streik.

Das Projekt Die Praxis der/des Echo. Vom Widerhall in den Künsten, dem Theater und der Geschichte sandte mit seinem gleichnamigen Symposium im Februar 2013 einen Ruf aus, der in einer wissenschaftlichen Publikation sowie einem Nachwuchskolloquium im SoSe 2013 widerhallt und weitergetragen wird. Die Publikation umfasst die Vortragsbeiträge sowie Arbeits- und Diskussionsergebnisse und die Dokumentation der künstlerisch-wissenschaftlichen Produktionen im Open access–Format. Als Work in progress wird sie ab Juli 2013 auf dieser Seite zugänglich sein. Das studentische Kolloquium bietet Studierenden die Möglichkeit, Fragestellungen des Symposiums weiter zu diskutieren und sich darüber hinaus in ersten eigenen Vortragsformaten zu erproben. Den dazugehörigen Präsentationsrahmen bietet ein Workshop im November 2013, in welchem die Studierenden gemeinsam mit weiteren geladenen Wissenschaftlern und  Künstlern ihre Arbeitsergebnisse der Öffentlichkeit vorstellen werden.