Personen | Beitragende | Micha Braun

 

Anrufung als Auf-Gabe von Akteur und Zuschauer

 
Wann glückt die Beziehung von ausrufendem Akteur und dem ›Rufempfänger‹ Zu-Schauer? Wenn Theater sich mit Jean-Luc Nancy als ein Appell an die Abwesenheit unter uns ereignet? Oder, anders, wenn beide sich als gemeint empfinden, als im besten Sinne adressiert? Doch von wo her kommt diese Anrufung? Und wie kann ein diesem Appell zugeeignetes Zuhören seinen Ort finden?
An der Erfahrung dreier meines Erachtens unterschiedlich geglückter Anrufungen soll der These nachgegangen werden, dass dazu in der kommunikativen Situation von Akteur und Zuschauer eine Verräumlichung dieser Begegnung statthaben muss. An drei Orten – der Galerie, dem Probenraum und dem Foyer – wird ein Echo-Raum von Erinnerung, Zeugenschaft und Verantwortung eröffnet, in welchem sich die Positionen von Akteur und Zuschauer zu verteilen beginnen. Doch dazwischen steht der Schrecken – über den Anderen, sich selbst und den Tod.
 

Dr. Micha Braun ist Theaterwissenschaftler an der Universität Leipzig. 2006–2010 war er Stipendiat im DFG-Graduiertenkolleg »Bruchzonen der Globalisierung« und promovierte 2011 zur Praxis von Erzählung und Geschichte bei Peter Greenaway (»In Figuren erzählen«, Bielefeld 2012). Schwerpunktmäßig forscht er zu Erzählen und Erinnern in Kunst, Theater und Film im 20. und 21. Jahrhundert, zu Medium und (Inter-)Medialität in den Kulturen der Gegenwart, zu medialen Repräsentationen und Räumen des Wissens seit dem 17. Jahrhundert sowie zu Verhältnissen von Historiografie und künstlerischer Geschichtspraxis.