Personen | Beitragende | Eiichiro Hirata

 

Theaterversuche »Mit Tokatonton«.
Zur Vielfältigkeit der Echo-Kräfte in Chitens Tokatonton to

Die japanische Theatergruppe Chiten brachte 2012 in Yokohama die kurze Erzählung »Tokatonton« auf die Bühne, die der Schriftsteller Osamu Dazai 1947, ein Jahr vor seinem Selbstmord, veröffentlichte. In der Original-Erzählung, die die opportunistische Nachkriegssitutation in Japan schildert, wird ein Mann, der sich zur sozialistischen Bewegung zählt und für Demokratisierung und Aufbau eintritt, immer wieder durch den Echo-Klang ›tokatonton‹ in seinem Kopf verstört und gehemmt.
Die Aufführung von Chiten, die die Textvorlage in Tokatonton to (Mit Tokatonton/Tokatonton und) umbenannt hat, radikalisiert das zerstörerische Echo, welches den Mann im Original eher lähmt und damit nur eine einseitige Wirkung zeigt. Chiten zer-setzt diesen Widerhall in vielfältige Stimmen, Gesten und Tönen mit eigener rhythmischer Kraft und eigener Musikalität. In der Aufführung stellen fünf Schauspieler, die den Mann und die Figuren in der Erzählung verkörpern, vielfältige Echo-Wirkungen dar, die nicht nur die Menschen verstören, sondern auch politische Diskurse dekonstruieren, und die Zuschauer sogar zum Widerstand gegen die Ohnmacht herausfordern und dadurch ein Zusammenspiel der verschiedenen Echo-Kräfte erfahrbar machen.
Für die Untersuchung des Zusammenspiels der Echo-Kräfte in dieser Theateraufführung soll Michel Foucaults Theorie über die Genealogie und das Theater zu Rate gezogen werden. Bei Foucault funktioniert die Bühne als eine Schnittstelle in der Geschichte, in der sich verschiedene Kräfte und Mächte, die oft dem Zufall entstammen, zusammengestoßen sind und daraus ein ›Ursprung‹ entstanden ist, der ein konventionell historisches Geschehen markiert. Im Vortrag wird der genauere Zusammenhang zwischen den Echo-Kräften im Theater und der Herkunft in der Genealogie untersucht und erläutert.

 

Prof. Dr. Eiichiro Hirata ist Theaterwissenschaftler. Er studierte Germanistik und Theaterwissenschaft an der Keio University Tokio und an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zwischen 2004 und 2012 arbeitete er als Associate Professor, seit April 2012 ist er Professor für Theaterwissenschaft am Institut für Germanistik der Keio University.
 

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