Personen | Beitragende | Nikolaus Müller-Schöll

Das letzte Lachen.
Spielart des Eigensinns und Verhaltensweise der Kälte

 

Das Lachen weist ein Doppelgesicht auf, von dem etwa auch die arglos klingende Redewendung »Wer zuletzt lacht, lacht am besten« zeugt, eine Redewendung, die von einem Lachen spricht, das als Echo anderen Lachens erscheint und dabei vom Opfer erzählt, das als kalter Sieger auftritt. Doch das letzte Lachen ist auch dasjenige des kleinen Jungen in Roberto Benignis Film »Das Leben ist schön«, der einer im Auge der Henker unsinnigen Grimasse seines Vaters beim Gang zur Erschießung mit einem »unterdrückten Lachen« Sinn verleiht. Ausgehend von Geschichte, Theorie und Fiktionen des Lachens und speziell von einer Kontroverse zwischen Walter Benjamin und Theodor W. Adorno über das Lachen als eine Form der Immunisierung gehe ich dem Lachen in Formen der Darstellung nach, die mit ihm kalkulieren oder von ihm aus dem Kalkül gebracht werden. Lachen, so lautet dabei die Hypothese des Vortrags, ist unauflösbar ambivalent: Göttlich und infernalisch, einschließend und ausschließend, Wahrheiten befördernd und unterdrückend, kleine Subversion, aber auch kalte Herrschaftspraxis …

 

Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll ist Professor für Theaterwissenschaft am Institut für Theater-, Film und Medienwissenschaft der Goethe-Universität in Frankfurt/M. Forschungsschwerpunkte: Das Komische als Paradigma der Modernitätserfahrung (17.-20. Jh.), Theatertheorie im Spannungsfeld zwischen Philosophie, Politik und Literatur sowie experimentelle Formen des Gegenwartstheaters und der Performance. Zahlreiche Publikationen, u.a. Das Theater des »konstruktiven Defaitismus«. Walter Benjamin, Bertolt Brecht und Heiner Müller (2002), Ereignis (Hg. 2003), Aisthesis (Mhg. 2005), Politik der Vorstellung. Theater und Theorie (Mhg. 2006), Schauplatz Ruhr (Mhg. 2007), Was ist eine Universität? (Mhg. 2008), Heiner Müller sprechen (Mhg. 2009), Performing Politics (Mhg. 2012).