Personen | Beitragende | Gerald Siegmund

 

Der Knopf im Ohr, oder wenn das Sprechen des Schauspielers zum Echo wird

 

Was in den 1980er Jahren im Theater eines William Forsythe oder der Wooster Group noch eine Besonderheit war, findet in zahlreichen zeitgenössischen Theater- und Tanzproduktionen immer häufiger Verwendung: sogenannte »in ears«, kleine Empfänger, die die Arbeit des Schauspielers während er spricht und spielt von außen beeinflussen. Ob bei Künstlerinnen und Künstlern wie Eszter Salamon, Meg Stuart, Nature Theater of Oklahoma oder Auftrag : Lorey – der Knopf im Ohr gibt den Darstellern einen Text vor, den sie nachsprechen und der ihr Spiel steuert. Als Sprechen auf der Grenze zwischen passivem Widerhall und aktiver stimmlicher Wiedergabe unterbricht das Echo der Sprache im Körper der Darsteller die Verbindung zwischen Sprache und Geist auf der einen und Körper und Bewegung auf der anderen Seite. Auf diese Weise wird der Körper zur Echokammer für das Allgemeine der Sprache und einer Kultur. Damit verbunden ist zum einen die Reflexion auf die Arbeit des Schauspielers und darüber hinaus des gesamten Theaterdispositivs. Zum anderen eröffnen Verfahren wie Verzögerungen, Trennung von Mimik, Blick und Bewegung vom Sinn des Ausgesagten aber auch Spielräume, sich zu verhalten. Der Vortrag möchte verschiedene Formen des Umgangs mit dem Knopf ihm Ohr vorstellen und diese für eine Reflexion auf eine mögliche Funktion von Theater heute nutzen.

 

Prof. Dr. Gerald Siegmund studierte Theaterwissenschaft, Anglistik und Romanistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main und ist Professor für Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
 

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