Personen | Beitragende | Ingo Uhlig

 

»Der scherzenden, der ernsten Maske Spiel…«
Wallenstein-Wiederholungen bei Rimini-Protokoll

Die Charaktere des schillerschen Wallenstein – ob sie Max oder Octavio, Friedland oder Terzky heißen – haben ihr böhmisches Kriegslager verlassen, um in den großen und kleinen Kriegen des 20. und 21. Jahrhunderts wieder aufzutauchen. Sie erscheinen wieder in einer Meuterei amerikanischer Soldaten, in einem polizeilichen Verhör, einer politischen Intrige oder einer vulgären Kuppelei.

Die Theatergruppe Rimini-Protokoll hat in ihrer Wallenstein-Adaption von 2008 die Kampfzone der großen Tragödie noch einmal massiv ausgeweitet – räumlich wie zeitlich. Doch ist ihr Bühnenraum kein dramatischer Kosmos; die Bühne ist ein Provisorium, das die Nähe von Weitentferntem und den Zusammenhang von kaum zu vereinbarenden Sachverhalten ermöglicht.
Dieses Theater ist ein Reigen schillerscher Themen – ein Spielfeld der Wiederholung, auf dem auch Sie und wir uns bereits begegnet sein könnten.

 

Dr. habil. Ingo Uhlig promovierte an der Bauhaus-Universität Weimar mit einer Arbeit zu Gilles Deleuze. Er arbeitet seit sechs Jahren am Germanistischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und ist zudem Gastprofessor für Philosophie und Ästhetik an der Kunstakademie Münster – Hochschule für bildende Künste. Gerade fertig geworden ist die Habilitationsschrift mit dem Titel »Traum und Poiesis. Produktive Schlafzustände 1641-1810«. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Theorien der Theatralität, insbesondere die Theatralität sozialer Prozesse und politischer Formationen, Mediengeschichte der Raumdarstellung sowie die Ästhetik von Traum und Schlaf in Aufklärung und Romantik.

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